Alles, nur kein Lagerwahlkampf

Sehr spannend für Politiknerds wie mich ist der Vergleich der eigenen Wahlprognose (siehe unten) mit dem tatsächlichen Ergebnis.

Meine spannendsten Irrtümer:

  • Hofer hat genauso viele Wähler aus dem ersten Durchgang halten können wie Van der Bellen. Die These, dass viele Hofer-Wähler ihn gar nicht wirklich wollen (sondern nur dem „Establishment“ einen Schuss vor den Bug setzen wollten, solange es um nichts geht), hat sich als falsch erwiesen.
  • Van der Bellen hat deutlich weniger Nichtwähler mobilisieren können als erwartet. Auch vier Wochen „Licht gegen Schatten“ hat die Politikverdrossenen nicht mobilisieren können. Auch wenn ich den Psychoterror alles andere als gutheiße, die wohl endgültige Nicht-Mobilisierbarkeit eines Drittels der Wahlberechtigkeiten stimmt mich schon nachdenklich.
  • VdB hat deutlich mehr Hundstorfer-Wähler gewinnen können als erwartet. Das dürfte er wohl der Aufbruchstimmung zu verdanken haben, die der neue Bundeskanzler Christian Kern in den letzten Tagen ausgelöst hat.
  • Die Khol-Wähler sind weniger stark zu Hofer gewandert als angenommen. Dass es aus (der zweiten Reihe) der ÖVP ausschließlich Wahlempfehlungen pro-VdB gegeben hat (nämlich auch von Exponenten aus der schwarz-blauen Ära) hat hier wohl einen kleinen Teil beigetragen.
  • Die Griss-Wähler sind stärker zu VdB gewandert als erwartet. Ob hier die lieblose (und unter unerträglichem Terror in letzter Minute abgezwungene) Wahlempfehlung pro VdB etwas beigetragen hat, weiß ich nicht. Größer schätze ich auch hier den Kern-Effekt ein, der bei den pragmatischen Bürgerlichen viel Wind aus den Segeln genommen hat.

Im Gesamtbild für mich am Spannendsten ist aber sicherlich die Erkenntnis, dass dieser Wahlkampf alles war, nur kein „Lagerwahlkampf“. Wenn man sich die Wählerstromanalysen des ersten (ganz unten) bzw. des zweiten Durchganges anschaut, dann sieht man eine ungeahnte Wechselbereitschaft der Wähler – und sicherlich keinerlei stabile „Lager“.

Die Wählerstromanylse des ORF nach der Stichwahl (die ausständigen Briefwähler dürften wohl in die Modelle schon eingerechnet sein).
Die Wählerstromanylse des ORF nach der Stichwahl (die ausständigen Briefwähler dürften wohl in die Modelle schon eingerechnet sein).
Auf http://strategieanalysen.at konnte jeder mit wenigen klicks seine eigene Hochrechnung für den zweiten Durchgang erstellen.
Meine Prognose für die Stichwahl, unmittelbar erstellt nach dem ersten Durchgang (mithilfe eines genialen Tools auf http://strategieanalysen.at).
Die Wählerstromanalyse des Sora-Institutes nach dem 1. Durchgang der Bundespräsidentschaftsswahlen zeigte auch schon ein extrem buntes Bild.
Die Wählerstromanalyse des Sora-Institutes nach dem 1. Durchgang der Bundespräsidentschaftsswahlen zeigte auch schon ein extrem buntes Bild.

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