Piste statt Panzer

Während andere in Wien Panzerschauen gingen, genossen wir den  Nationalfeiertag bei einer besonderen Expedition: Wir wanderten zu Fuß jene Piste hinauf, die wir sonst mit den Skiern hinunterrasen.

Seit mehr als dreißig Jahren fahre ich jeden Winter auf diesen Hängen, aber noch nie habe ich das Unternehmen gewagt, den Berg im Sommer zu bewältigen. Der wohl letzte schöne Tag des Jahres motivierte uns, endlich dieses lange geplante Vorhaben in Angriff zu nehmen.

Wir parkten unser Auto bei dem Bauernhof, den ich bereits als Kleinkind unsicher gemacht habe. Statt über kaltes Weiß wanderten wir über sattes Grün, statt Skinetzen leiteten uns Weidezäune. In den Steilkurven des Anna-Parks übten wir die richtige Abfahrtshaltung. Wir genossen die warmen Sonnenstrahlen auf unserer Haut.

Dort, wo in meiner Kindheit der gemütliche II-er Lift w. o. gegeben und dem ehrfurchtgebietenden III-er Lift den steilen Anstieg überlassen hat, wandten wir uns von den Skipisten ab und wanderten über den früheren Skiweg das Hennesteck hinauf. Leider ließen wir an diesem Punkt auch die Motivation unserer Ältesten zurück – die erst wiederkam, als wir auf Kimi (und ihre Familie) trafen. Ab diesem Moment mussten wir schauen, dass wir Manuel und Benjamin hinterherkommen. Und so bewältigten wir den vier Kilometer langen Anstieg und die fast 400 Höhenmeter in unter zwei Stunden – ohne, dass Hannah auch nur einen Meter getragen werden musste.

Bei der Einkehr auf der Anna Alm beobachteten wir sorgenvoll beim Anstellen in der langen Schlange, wie Speise um Speise von der Tafel gestrichen wurde. Aber ein paar Suppen und Würstel stillten den ärgsten Hunger.

Baum fällt

Der Rückweg wurde gleich am Beginn spektakulär unterbrochen, als wir beim Fällen eines Baumes zuschauen durften. Das Beobachten der Arbeiten am neuen Speicherteich blieb uns hingegen verwehrt. Hinunter ging es dann über die steilen Skipisten – und das zum Gutteil im Laufschritt. Vor allem Benjamin wollte unter Beweis stellen, dass er sein halsbrecherisches Tempo nicht nur im Winter vorlegen konnte. Während ich ihm auf Skiern noch gut hinterherkomme, musste ich ihm im Sommer mit krachenden Knien den Vortritt lassen. Über die schwarze Buckelpiste war er ungefähr doppelt so schnell wie ich – was ihn ungemein amüsierte.

Hannah lief zwar nicht, freute sich aber über jede Kuhflade, der sie begegnete (diese spezielle Liebe hatte sie im Sommer auf der Saualm entdeckt).

Laubberge und Seilverlängerungen

Den lauen Abend dieses ersten Tages nützen wir noch, um in Omas Garten kubikmeterweise Laub zu rechen und die selbst gebaute Affenschaukel nachzustellen – die beiden Bäume, die das Seil halten, haben sich für entgegengesetzte Wuchsrichtungen entschieden, weshalb das Tragseil jedes Jahr ein wenig zugentlastet werden muss.

Am folgenden, nasskalten Fenstertag bremste das Wienerbrucker Spielangebot meine Unternehmungslust. Aber am Samstag machten wir uns dick eingepackt mit der Mariazeller Bahn auf den Weg über die steirische Grenze. Im Zug trafen wir Freunde aus fernen Jungschartagen mit dem gleichen Reiseziel.

Cremeschnitte und Krippe

In Mariazell angekommen, sprangen wir spontan in die gerade bereitstehende Gondel auf die Bürgeralm, wo wir im einsetzenden Schneetreiben nur schnell das Berggasthaus heimsuchten und viel zu viele Cremeschnitten verspeisten. Wieder unten angekommen, besuchten wir nach langer Zeit wieder die mechanische Krippe, die wie immer Kleine und Große in ihren Bann zog. Auf dem Rückweg zum Bahnhof besorgten wir uns noch ein wenig Bastelmaterial, um einen Drachen zu bauen. Im Fernsehen funktionierte das deutlich besser – an mangelnden Sturmböen kann es jedenfalls nicht gelegen sein, dass es den Drachen nicht in die Lüfte zog ;-).

Eingekesselt

Am Sonntag zogen dann orkanartige Stürme durchs Land, deshalb wollten wir uns auf den Weg ins nette Hallenbad in Scheibbs machen – mussten aber frustriert feststellen, dass umgestürzte Bäume ein Verlassen des Tales verhinderten. Ein paar Stunden lang waren wir überhaupt komplett von der Umwelt abgeschnitten. Bis zum Abend war dann aber wieder zumindest eine Route frei, sodass wir leider den Kurzurlaub nicht verlängern mussten.

 

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