Runtergekommen? Eine optimistische Weihnachtspredigt

„Runtergekommen. Abgestiegen. Erde statt Himmel. Der König wird Kind.“ So fasst ein geniales Lied von Daniel Kallauch das Weihnachtswunder zusammen. Gott wird Mensch, er steigt ab mitten in den Dreck und das Elend unserer heruntergekommenen Welt.

Das darf es nicht gewesen sein, ist die Botschaft dieses einzigartigen Schrittes. Dass Gott Mensch wurde, ist seitdem eine unerschöpfliche Quelle des Trostes:

  • Gott hat unseren Schmerz am eigenen Leib erlebt. Einem Gott, der sich freiwillig in den Dreck einer Futterkrippe legen lässt, einem Gott, der sich freiwillig ans Kreuz schlagen lässt, ist kein Schmerz fremd. Gott zeigt Mit-Leid. Im wahrsten Sinne des Wortes.
  • Der Tod hat nicht das letzte Wort. Nach dem Dunkel kommt das Licht. Gott hat viele Wohnungen für uns vorbereitet – in einer besseren Welt.

Doch das darf es nicht gewesen sein. Die Verheißung, dass es nach einem unvollendeten Leben eine Vollendung bei Gott geben wird, ist tröstlich. Aber darauf dürfen wir Gottes Plan nicht reduzieren. „Erde statt Himmel“ hat sich Gott selbst zugemutet, weil er Großes vorhatte: „Himmel nach der Erde“ ist nur ein Teil davon. Viel wesentlicher aber ist ihm der „Himmel auf Erden“.

Gott will unser Glück. Hier und jetzt. Hier auf Erden. Er meint damit nicht jenes Junk-Food-Glück, mit dem wir uns oft über den Schmerz des Alltags hinwegtrösten. Er meint jenes tiefe Glück, das wir in der Geborgenheit einer glücklichen Beziehung und einer lebendigen Familie finden. Er meint jenes tiefe Glück, das wir in einem Beruf finden, der gleichzeitig Berufung ist. Er meint jenes tiefe Glück, das wir verspüren, wenn wir anderen ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Ist Gott gescheitert?

Runtergekommen und durchgefallen, könnte man meinen, wenn man am Abend die Nachrichten aufdreht. Vom Himmel auf Erden scheinen wir nicht nur weit entfernt, wir scheinen uns auch immer weiter davon zu entfernen. Die Katastrophenmeldungen nehmen täglich zu, die Bilder werden immer dramatischer, die Warnungen immer drastischer.

Doch die vereinte Hysterie quotengeiler Medien, beschäftigungsuchender Politiker und spendensammelnder NGOs zeichnet ein Bild der Welt, das in dramatischem Widerspruch zur Realität steht. Nur in Spurenelementen finden sich in den Medien Hinweise auf die tatsächliche Entwicklung. Seit einem Jahr lese ich statistische Nachweise auf, dass die Welt nicht unmittelbar vor dem Untergang steht.

Habt ihr gewusst,

  • dass sich die Zahl der weltweit hungernden Menschen allein in diesem (kurzen) Jahrtausend um ein Drittel verringert hat?
  • dass der Anteil der Menschen in extremer Armut im selben Zeitraum – trotz rasch wachsender Bevölkerung in den ärmsten Ländern – von knapp 30% auf unter 10% gefallen ist?
  • dass die Kindersterblichkeit und die Zahl der Malariaopfer seit den 1950-er Jahren um die Hälfte reduziert werden konnte?
  • dass die Zahl der Neuinfektionen mit Aids um 40 Prozent gesunken ist?
  • dass vor 20 Jahren 100 Millionen Kinder nicht in die Schule gehen konnten, heute sind es nur noch 58 Millionen?

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Und die schönste Nachricht: Diese sensationelle Entwicklung nimmt sogar noch an Fahrt auf, wie man an dieser Grafik eindrucksvoll sehen kann! Der Kampf um ausreichend Ernährung war die zentrale Herausforderung der Menschheitsgeschichte – wir werden mit großer Wahrscheinlichkeit die erste Generation sein, die das Ende von Hunger und extremer Armut erlebt!

Aus der Vielzahl meiner Quellen möchte ich euch zwei ganz besonders ans Herz legen:

  • „The World in Data“ stellt faszinierende Visualisierungen all dieser verblüffenden Entwicklungen bereit (einfach auf der Startseite runterscrollen bis zum Bereich „The data visualization presentations“).
  • Die Homepage von Bill Gates zeigt, wie Entwicklungshilfe erfolgreich sein kann: Klare Problemanalyse, einzelne Pilotprojekte, Ausrollung in die Breite. Und vor allem: Freuen an den Fortschritten statt notorischer Nörglerei!

Keine Frage: Von einer perfekten Welt sind wir noch immer weit entfernt. Aber dem „Himmel auf Erden“ doch schon ein gewaltiges Stück nähergekommen.

Euer Florian

Quellen:

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