So wird Weihnacht wirklich wahr

„Das ist ja eine Puppe!“ Simons Erstaunen bei der Kindermette bringt sehr schön auf den Punkt, dass trotz gegenteiliger Behauptungen zu Weihnachten Jesus nicht geboren wird. Schließlich ist Jesus ja nicht der Hauptdarsteller im Film „Und jährlich grüßt das Murmeltier“. Nüchtern betrachtet ist es die absurdeste Geburtstagsparty, die man sich vorstellen kann: Milliarden Menschen feiern in Hunderttausenden Locations quer über den ganzen Globus den Geburtstag eines Menschen, der seit fast Zweitausend Jahren tot ist. Und überhäufen einander aus diesem Anlass mit billionenschweren Geschenken.

Die Welt kann nicht bleiben, wie sie ist

Auch wenn Kitsch und Kommerz rund um dieses Fest eine unglaubliche Eigendynamik entwickelt haben, so bin ich doch überzeugt: Als reine Gedenkveranstaltung für ein Ewigkeiten zurückliegendes Ereignis hätte sich dieses Fest trotz aller Folklore längst totgelaufen. Nein, es ist sein Bezug zur Gegenwart, zur heutigen Welt, der Weihnachten jedes Jahr aufs Neue seine Berechtigung gibt.[1]

Ein gescheiter Mensch hat das in die Worte gepackt: „Die Welt kann nach Weihnachten nicht so bleiben, wie sie ist!“ Die unangenehme Botschaft, was das konkret bedeutet, haben wir ins Zentrum eines Liedes gestellt, das uns in Breitenfeld durch den heurigen Advent begleitet hat:

Ich bin der, auf den Gott zählt.
Durch mich kommt Jesus auf diese Welt.
Und so wird Weihnacht wirklich wahr.
Jahr für Jahr.

Das Christuskind hält uns den Spiegel vor

Seit der heurigen Inszenierung der adventlichen Kinderwortgottesdienste habe ich ein Bild vor Augen, das mich nicht mehr loslässt: Wir schauen alle verklärt auf das Christuskind, wie es da in seiner Futterkrippe liegt. Doch plötzlich hält es uns einen Spiegel vor, in dem wir uns selbst erkennen.

Der Ursprung des Weihnachtsfestes liegt darin, dass wir Gott ganz nahe kommen dürfen. Doch die Botschaft von Weihnachten liegt darin, dass wir Gott auf und in diese Welt bringen sollen. „Wer mich erkennt, bleibt niemals getrennt. Doch da gibt’s ’ne Tür, durch die ich dich führ: Hinaus in die Welt bist du bestellt“, heißt es im Refrain unseres Adventliedes.

Jedes Kind ist ein Christuskind

Dieser Auftrag, dieses Bestelltsein in die Welt, ist nicht zufällig eine zentrale Botschaft jeder Taufe. In der Geburt jedes Kindes manifestiert sich Gottes Anspruch, die Geburt seines Sohnes ein Stückchen weiter Realität werden zu lassen.

Und so freuen wir uns, dass im zu Ende gehenden Jahr in unserem Freundeskreis besonders viele Babys auf die Welt gekommen sind: Magdalena, Samuel und Franziskus, Emilia, Konstantin, Emma und Laura, Stanislaus und Benjamin, Carolina und Valentin – herzlich willkommen! Durch Euch kann Weihnacht wirklich wahr werden!

Dankbar für das Vorbild

Umgekehrt mussten wir im vergangenen Jahr besonders oft schmerzhafte Abschiede nehmen: Großmama und Irmgard, Onkel Niki, Arthur und Reinhard sind uns durch die Türe zu Gott vorausgegangen.

Je weiter der Trennungsschmerz zurückliegt, desto stärker überwiegt die Dankbarkeit für ihre faszinierenden Wege, Gott auf diese Welt zu bringen.

In diesem Sinne: Machen wir Weihnachten wirklich wahr!

[1] Wer wissen will, wie man ohne Kitsch und Kommerz heutzutage Weihnachten feiern kann, dem darf ich die aktuelle Ausgabe des Breitenfelder Pfarrblattes ans Herz legen.

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