Von Negerleins und Nackedeis

Aus einem „Gewinn“ bei der Hochzeit von Elisa und Klaus hat sich die nette Tradition entwickelt, jedes Jahr mit Guhsls und weiteren Freunden eine Radtour zu absolvieren. Gestartet sind wir vor zwei Jahren entlang der Traisen, vergangenes Jahr umrundeten wir den Neusiedlersee. Dieses Jahr radelten wir durchs Marchfeld.

Die größte Herausforderung dieser Radtouren besteht aber nicht in der sportlichen Anstrengung, sondern in der Terminfindung. So wurde die heurige Tour mehrmals verlegt, dann gekürzt und schlussendlich auch noch die Route gewechselt. Als schließlich alle Quartiere gebucht waren, funkten dann noch ein kurzfristig angesetzter 50-er und ein nicht bestelltes 3-Tages-Fieber dazwischen. So blieben von anfänglich 15 kleinen Negerlein schlussendlich nur mehr sieben übrig. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch.

Erstmals zu Hause gestartet, mussten wir entlang von Donaukanal und Donauinsel die Stadt durchqueren. Bei Strebersdorf bogen wir dann aber bereits auf den malerischen Marchfeldkanal ein. Zu Mittag stieß Sophie zu uns, die noch ein paar Stunden unterrichten hatte müssen. Am Nachmittag durchfuhren wir dann bereits die „Kornkammer“ Österreichs, in der inzwischen aber fast  mehr Windräder als Getreidehalme stehen.

Die erste Nacht verbrachten wir in Leopoldsdorf im Marchfelde – in einer einfachen Monteursunterkunft – Touristen sind wenig überraschend noch nie auf die Idee gekommen, direkt vor den Toren Wiens zu nächtigen. Dank Billa am Abend (Klopapiereinkauf in letzter Sekunde!) und Bäckerei in der Früh konnte uns das schlichte Quartier aber nichts anhaben. Nur die Monteure waren angesichts der Eindringlinge etwas irritiert ;-).

Nachdem wir Guhsls verabschiedet hatten, brachen wir wieder Richtung Osten auf, bis wir zu Mittag bei Engelhartstetten den Marchfeldkanal verließen, um Richtung Süden zur Donau vorzustoßen. Im Vergleich zum romantischen Marchfeldkanalweg glich der Radweg durch die Donauauen eher einer Autobahn: Kilometerlang schnurgeradeaus zu fahren, schlug sich dann auch bald in der Motivation der Kinder nieder. Links und rechts gelegentlich ein paar Aulandschaften – aber Auhirsche fanden wir nicht einmal in Stopfenreuth …

Dafür entschädigte uns Orth an der Donau, wo wir unser zweites Nachtquartier aufschlugen. Ein bezaubernder Ort mit alter Kirche und tollem Schloss und ein bezauberndes Hotel mit gutem Wirtshaus. Dass es demselben Wirt gehört wie die Bäckerei, in der wir 40 Kilometer zuvor gefrühstückt hatten, bildete eine amüsante Überraschung. Der einzige Wermutstropfen war, dass wir uns krankheitsbedingt von Fischer-Hofstadlers verabschieden mussten.

Psychologisch eine interessante Erfahrung war der letzte Tag: Sobald wir das eindrucksvolle Öllager der OMV durchquert hatten, befanden wir uns auf vertrautem Terrain: Mittagessen im „Knusperhäuschen“ und Heimfahrt via Donauinsel, Praterbrücke, Hauptallee und Donaukanal waren uns von früheren Radausflügen bestens vertraut. Überraschend war nur eine unliebsame Begegnung in der Lobau – aber „Textilmenschen“ dürfen dort nicht einmal baden, wenn es sich um verzweifelte Kinder handelt, die sich auf die erste Bademöglichkeit seit drei Tagen freuen ;-). Aber auch dieses Bedürfnis ließ sich dann einen Kilometer weiter zumindest notdürftig stillen.

Erschöpft zu Hause angekommen, war Sophie dann doppelt froh, dass ihr Schlüssel nicht nach Rom geschickt wurde. Aber das ist eine andere Geschichte …

PS: Wen’s interessiert, kann sich unsere Route hier im Detail ansehen.

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